Schneevorhersagen – so wird das Winterwetter in den Alpen!

14.01.2016 - Katharina Teudt

Jeden Wintersportler treibt dieselbe Frage um: Wann kommt endlich der Schnee und wie lange bleibt er? SnowTrex hat den Klimatologen Alexander Orlik gefragt, wie sich der Schneefall in den europäischen Gebirgen entwickeln wird.

Schneewände wie hier an der Timmelsjoch Hochstraße sind eher seltene Phänomene.© Timmelsjoch/Pertl

Eine der wichtigsten Fragen eines jeden Winters betrifft den zu erwartenden Schneefall. Gerade die Alpenrepublik Österreich treibt diese Frage um, aber auch die Schweiz, Westfrankreich oder Norditalien, die zahlreiche Skigebiete versammeln, sind wirtschaftlich auf das weiße Gold angewiesen. So beschäftigen sich Institutionen wie der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) in Wien intensiv mit der Frage, wie sich der Niederschlag in den Alpenländern in den kommenden Jahren entwickeln wird.

Alexander Orlik, Klimatologe bei der ZAMG, muss zunächst alle Schneeverrückten enttäuschen. Denn den Schneefall für den kommenden Winter können auch Experten nicht sicher voraussagen: „Wetterprognosen sind in der Regel für drei bis vier Tage zuverlässig. Einigermaßen zuverlässige Trends, z. B. für „überdurchschnittlich warm/kalt/trocken/feucht“ sind je nach Wetterlage auch für ein bis zwei Wochen im Voraus möglich.“ Mehr geht jedoch nicht. Ob und vor allem wann es diesen Winter schneit, kann somit nicht pauschal beantwortet werden. Doch die ZAMG arbeitet daran, die Angaben des ‚Europäischen Zentrums für mittelfristige Wettervorhersagen‘ für die nächsten Monate und Jahre auszuwerten und auf Österreich umzulegen. Das gelingt jedoch nur sehr unzuverlässig, da die vier Klimaeinflüsse von Mittelmeer, Atlantik, Nordsee und kontinentalem Osten über dem komplexen Gebirge der Alpen zusammentreffen. Orliks ernüchterndes Fazit: „Die Ergebnisse können keinesfalls bei Urlaubsentscheidungen helfen.“ Fest steht, dass es auch weiterhin Winter mit viel Schnee geben wird. Doch seine Präsenz wird sich aufgrund des Klimawandels verlagern. Dem Österreichischen Sachstandsbericht 2014* zufolge wird bis zum Jahre 2050 die Dauer der Schneedecke in Lagen zwischen 1.000 und 2.000 m sehr wahrscheinlich zurückgehen. Es wird zwar nicht unbedingt weniger schneien, aber der Schnee wird schneller wieder wegschmelzen. Die Schneegrenze verschiebt sich voraussichtlich um ca. 200 m nach oben. Künstliche Beschneiung ist bereits jetzt mehr als nur Kosmetik bei der Pistenpräparierung und dürfte somit in den Mittelgebirgen schon bald entscheidend für den Skibetrieb werden.

Schneereiche Aussichten

Der Schneefall soll trotz des Klimawandels in den nächsten Jahren konstant bleiben. Die Wissenschaft bestätigt, dass die Tage mit Schneedecke in den nächsten Jahren weniger werden und die Schneefallgrenze sich im Mittel weiter nach oben verschieben wird. Doch ab bestimmten Höhen werde es auch in milderen Wintern weiterhin viel Schnee geben. Laut Orlik gebe das beste Beispiel dafür der Winter 2013/2014 ab: „Es war in Österreich der zweitwärmste Winter seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1767. Gleichzeitig hat dieser Winter im Süden Österreichs extreme Schneemengen gebracht, mit zahlreichen Straßen- und Bahnsperren. Insgesamt waren über 10.000 Haushalte teils mehrere Tage lang ohne Strom. Im Kärntner Gailtal und im Osttiroler Lienz beispielsweise fielen Schneemengen wie seit Jahrzehnten nicht mehr, so z. B. 73 cm Neuschnee vom 30. auf 31. Januar in Lienz.“

Alternative Vorhersagen

Die verlässlichste Variante sind sicherlich die meteorologischen Auswertungen der Experten. Neben den wissenschaftlichen gibt es jedoch auch diverse alternative Methoden zur Wettervorhersage, auf die sich der ein oder andere Wetterfrosch gerne beruft. Eine traditionelle Variante ist der „Hundertjährige Kalender“: Im 17. Jahrhundert beschließt ein Abt im Kloster Langheim im Kreis Kulmbach in Franken, sieben Jahre lang das Wetter zu beobachten, da sich seiner Meinung nach dieses Wetter alle sieben Jahre wiederholt. Sein Kalender wird so populär, dass er sich in vielen Regionen Europas verbreitet. Diese frühe Berechungsmethode hat laut Klimatologe Orlik allerdings keinerlei wissenschaftliche Bedeutung: „Der hundertjährige Kalender basiert auf nichts anderem als auf sieben Jahren Wetterbeobachtung in einem Ort in Deutschland. Bei wissenschaftlichen Untersuchungen zeigt sich, dass seine Treffer nur im Bereich des statistischen Zufalls liegen.“

Bauernregeln

Ebenfalls beliebte Methoden zur Berechnung des kommenden Wetters sind Bauernregeln. Welche Bedingungen müssen gegeben sein, damit der nächste Winter schneereich wird? Jeder Bauer hat darauf seine eigene Erklärung. Laut dem ZAMG-Forscher steckt hier viel regionales Wissen drin. Das Problem: „Wir wissen heute bei den meisten Regeln nicht mehr, aus welcher Region sie stammen. So kann es sein, dass eine Regel in Bayern verwendet wird, die eigentlich im Engadin entstanden ist. Daher haben die Bauernregeln oft in den einzelnen Regionen sehr unterschiedliche Trefferquoten.“ Das Ergebnis ist eher schlecht als recht. „Halbwegs gut (Trefferquote von 60 bis 70 Prozent) waren Erhaltungsregeln, wie z. B. „ist es zu warm/kalt, bleibt es zu warm/kalt“. Regeln, die von einem Tag auf ein Ereignis in weiter Zukunft schlossen, hatten überhaupt nur Trefferquoten wie reines Raten“, so Orlik. Bis auf Tendenzen konnte keine genaue Regel für wiederkehrende Wetter getroffen werden. Bauernregeln sind also nette Reime, zur verlässlichen Wetterbestimmung dienen sie aber nicht.

Fazit

Niemand kann eine unfehlbare Regel für den tatsächlichen Schneefall ermitteln. Lediglich ein gewisser Trend lässt sich mit verschiedenen Methoden herauslesen und das Schneeaufkommen nur sehr kurzfristig vorhersagen. Durch den Klimawandel wird sich die Schneefallgrenze verschieben und das Wetter die eine oder andere Kapriole schlagen. Und dennoch: Selbst wenn ungewiss ist, wann und wie üppig er ausfällt – der Schnee wird fallen und auch in den kommenden Jahrzehnten den Wintersport in den Alpen möglich machen.

*Quelle: Österreichischer Sachstandsbericht Klimawandel 2014, Band 2 Kapitel 2, Seite 415.

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TravelTrex GmbH Christian Neuwerth presse-de@traveltrex.com Tel. +49 (0) 221 33 606 2513

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